Cluster
Renales System
K&R 001
Bärentraube
(Arctostaphylos uva-ursi)
Primäre Interaktionsachse
Antiseptische Wirkung im Harntrakt; potenzielle nephrotoxische Reizung bei Überdosierung.
Sekundäre Interaktionsachse
pH-abhängige Wirksamkeit; Interaktion mit Diuretika oder nephrotoxischer Medikation.
Mechanismus
Arbutin wird zu Hydrochinon metabolisiert und im Urin ausgeschieden.
Die antibakterielle Wirkung entfaltet sich im alkalischen Milieu.
Hydrochinon kann bei längerer oder hochdosierter Anwendung renal reizend wirken.
Klinische Relevanz
– Kurzzeitige Anwendung bei unkomplizierten Harnwegsinfekten.
– Längere Anwendung kann zu Nierenreizung führen.
– Nicht geeignet bei bestehender Niereninsuffizienz.
– Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme nephrotoxischer Medikamente.
Evidenzklassifizierung
Antimikrobielle Wirkung im Harntrakt: E2
Nephrotoxisches Potenzial bei Überdosierung: E2–E3
Interaktionsdaten: begrenzt (E3)
Besondere Risikogruppen
– Niereninsuffizienz
– Chronische Nierenerkrankung
– Schwangerschaft
– Kinder
– Langzeitanwendung
K&R 002
Brennessel
(Urtica dioica)
Primäre Interaktionsachse
Diuretische Wirkung.
Sekundäre Interaktionsachse
Elektrolytmodulation; mögliche Interaktion mit Antihypertensiva und Diuretika.
Mechanismus
Flavonoide, Kaliumsalze und weitere Inhaltsstoffe fördern die Diurese durch Steigerung der renalen Durchblutung und Erhöhung der Harnmenge.
Kein direkt nephrotoxischer Mechanismus bekannt.
Elektrolytveränderungen sind in der Regel mild, bei Kombinationstherapie jedoch relevant.
Klinische Relevanz
– Additive Diurese bei gleichzeitiger Einnahme von Diuretika.
– Potenzielle Verstärkung antihypertensiver Therapie durch Volumenreduktion.
– Vorsicht bei eingeschränkter Nierenfunktion.
– Keine ausgeprägte Nephrotoxizität dokumentiert.
Evidenzklassifizierung
Diuretische Wirkung: E2
Elektrolytveränderungen: E3
Klinische Interaktionsdaten: E3
Besondere Risikogruppen
– Niereninsuffizienz
– Diuretikatherapie
– Herzinsuffizienz
– Hypotonie
– Multimorbide ältere Patienten
K&R 003
Schachtelhalm
(Equisetum arvense)
Primäre Interaktionsachse
Diuretische Wirkung.
Sekundäre Interaktionsachse
Elektrolytverschiebung; potenzielle Thiaminase-Aktivität (bei bestimmten Zubereitungen); additive Effekte mit Diuretika.
Mechanismus
Flavonoide und Kaliumsalze fördern die Harnmenge durch milde Steigerung der renalen Ausscheidung.
Einige Rohzubereitungen können Thiaminase enthalten, die Vitamin B1 abbaut (relevant bei langfristiger Anwendung und nicht standardisierten Präparaten).
Keine primäre nephrotoxische Glykosidwirkung.
Klinische Relevanz
– Additive Diurese bei Kombination mit Diuretika möglich.
– Elektrolytverschiebungen bei längerer oder hochdosierter Anwendung.
– Vorsicht bei Herzinsuffizienz oder eingeschränkter Nierenfunktion.
– Keine gesicherte schwere Nephrotoxizität, aber nicht für Dauertherapie geeignet.
Evidenzklassifizierung
Diuretische Wirkung: E2
Elektrolytveränderungen: E3
Thiaminase-Relevanz: E3
Besondere Risikogruppen
– Niereninsuffizienz
– Diuretikatherapie
– Herzinsuffizienz
– Elektrolytstörungen
– Langzeitanwendung
K&R 004
Löwenzahn
(Taraxacum officinale)
Primäre Interaktionsachse
Diuretische Wirkung.
Sekundäre Interaktionsachse
Elektrolytmodulation; mögliche Interaktion mit Diuretika und Antihypertensiva.
Mechanismus
Kaliumreiche Inhaltsstoffe und Bitterstoffe fördern die Harnmenge durch milde Steigerung der Diurese.
Im Gegensatz zu klassischen Diuretika keine ausgeprägte Kaliumausscheidung; eher kaliumerhaltende Tendenz durch Eigengehalt.
Keine direkte nephrotoxische Wirkung beschrieben.
Klinische Relevanz
– Additive Diurese bei gleichzeitiger Diuretikatherapie möglich.
– Potenzielle Blutdrucksenkung durch Volumenreduktion.
– Vorsicht bei Niereninsuffizienz oder Elektrolytstörungen.
– Nicht geeignet bei Ödemen infolge schwerer Herz- oder Niereninsuffizienz ohne ärztliche Kontrolle.
Evidenzklassifizierung
Diuretische Wirkung: E2
Elektrolytveränderungen: E3
Klinische Interaktionsdaten: E3
Besondere Risikogruppen
– Niereninsuffizienz
– Diuretikatherapie
– Herzinsuffizienz
– Elektrolytstörungen
– Multimorbide ältere Patienten
K&R 005
Wacholder
(Juniperus communis)
Primäre Interaktionsachse
Reizdiuretische Wirkung.
Sekundäre Interaktionsachse
Potenzielle nephrotoxische Reizung bei höherer Dosierung oder längerer Anwendung.
Mechanismus
Ätherische Öle (v. a. Monoterpene wie α-Pinen) wirken reizend auf das Nierenparenchym und steigern reflektorisch die Diurese.
Die diuretische Wirkung beruht nicht primär auf einer sanften Volumenregulation, sondern auf einer leichten Reizung der renalen Tubuli.
Klinische Relevanz
– Additive Diurese bei Kombination mit Diuretika möglich.
– Bei längerer Anwendung Risiko einer Nierenreizung.
– Nicht geeignet bei bestehender Niereninsuffizienz.
– Kontraindiziert bei entzündlichen Nierenerkrankungen.
Evidenzklassifizierung
Diuretische Wirkung: E2
Nephrotoxisches Potenzial bei Dauergebrauch: E2–E3
Klinische Interaktionsdaten: E3
Besondere Risikogruppen
– Niereninsuffizienz
– Chronische Nierenerkrankung
– Diuretikatherapie
– Schwangerschaft
– Entzündliche Nierenerkrankungen
K&R 006
Petersilie
(Petroselinum crispum)
Primäre Interaktionsachse
Diuretische Wirkung.
Sekundäre Interaktionsachse
Reizwirkung auf Nierenparenchym bei hoher Dosierung; potenzielle Interaktion mit Diuretika.
Mechanismus
Ätherische Öle (v. a. Apiol, Myristicin) und Flavonoide fördern die Diurese durch milde Reizung der renalen Ausscheidungsfunktion.
Die Wirkung ist dosisabhängig; hohe Mengen können nephrotoxisch wirken.
Klinische Relevanz
– Additive Diurese bei Kombination mit Diuretika möglich.
– Risiko einer Nierenreizung bei hochdosierten Zubereitungen oder Extrakten.
– Nicht geeignet bei bestehender Niereninsuffizienz.
– Kontraindiziert bei entzündlichen Nierenerkrankungen.
Evidenzklassifizierung
Diuretische Wirkung: E2
Nephrotoxisches Potenzial bei Hochdosis: E2–E3
Klinische Interaktionsdaten: E3
Besondere Risikogruppen
– Niereninsuffizienz
– Chronische Nierenerkrankung
– Diuretikatherapie
– Schwangerschaft
– Entzündliche Nierenerkrankungen
K&R 007
Orthosiphon
(Orthosiphon stamineus)
Primäre Interaktionsachse
Diuretische Wirkung.
Sekundäre Interaktionsachse
Elektrolytmodulation; potenzielle additive Effekte mit Diuretika und Antihypertensiva.
Mechanismus
Flavonoide, Kaliumsalze und ätherische Öle fördern die renale Ausscheidung durch Steigerung der Harnmenge.
Die Diurese erfolgt ohne ausgeprägte tubuläre Reizung.
Keine bekannte direkte Nephrotoxizität bei üblicher Dosierung.
Klinische Relevanz
– Additive Diurese bei gleichzeitiger Diuretikatherapie möglich.
– Potenzielle Verstärkung antihypertensiver Wirkung durch Volumenreduktion.
– Vorsicht bei eingeschränkter Nierenfunktion.
– Nicht geeignet bei Ödemen infolge schwerer Herz- oder Niereninsuffizienz ohne ärztliche Kontrolle.
Evidenzklassifizierung
Diuretische Wirkung: E2
Elektrolytveränderungen: E3
Klinische Interaktionsdaten: E3
Besondere Risikogruppen
– Niereninsuffizienz
– Diuretikatherapie
– Herzinsuffizienz
– Hypotonie
– Multimorbide ältere Patienten
K&R 008
Süßholz
(Glycyrrhiza glabra)
Primäre Interaktionsachse
Mineralokortikoide Wirkung mit renaler Elektrolytverschiebung.
Sekundäre Interaktionsachse
Kaliumverlust; Natrium- und Wasserretention; Interaktion mit Diuretika.
Mechanismus
Glycyrrhizin hemmt 11β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase Typ 2 in der Niere.
Dadurch wirkt Cortisol verstärkt am Mineralokortikoidrezeptor.
Folgen: Natriumretention, Wasserretention, Kaliumausscheidung (Hypokaliämie).
Klinische Relevanz
– Hypokaliämie mit Arrhythmierisiko.
– Ödeme und Blutdruckanstieg durch Volumenretention.
– Verstärkte Kaliumverluste bei Kombination mit Schleifen- oder Thiaziddiuretika.
– Risiko für Pseudoaldosteronismus bei längerer Anwendung.
– Verschlechterung bei bestehender Niereninsuffizienz möglich.
Evidenzklassifizierung
11β-HSD2-Hemmung: E1
Hypokaliämie: E1
Interaktion mit Diuretika: E2
Renale Verschlechterung bei Prädisposition: E2–E3
Besondere Risikogruppen
– Niereninsuffizienz
– Diuretikatherapie
– Herzinsuffizienz
– Hypertonie
– Elektrolytstörungen
– Multimorbide ältere Patienten
K&R 009
Aristolochia
(Aristolochia spp.)
Primäre Interaktionsachse
Direkte Nephrotoxizität (aristolochische Säuren).
Sekundäre Interaktionsachse
Urotheliale Karzinogenität; irreversible tubulointerstitielle Schädigung.
Mechanismus
Aristolochische Säuren führen zu DNA-Adduktbildung in renalen Tubuluszellen.
Ausgeprägte tubulointerstitielle Fibrose mit fortschreitender Niereninsuffizienz.
Mutagene Wirkung mit erhöhtem Risiko für Urothelkarzinome.
Klinische Relevanz
– Aristolochiasäure-Nephropathie (progressive, irreversible Nierenschädigung).
– Häufig terminale Niereninsuffizienz.
– Stark erhöhtes Risiko für Harntraktkarzinome.
– Bereits niedrige oder intermittierende Exposition kann schädlich sein.
– In vielen Ländern regulatorisch verboten.
Evidenzklassifizierung
Nephrotoxizität: E1
Karzinogenität: E1
Klinische Fallserien und epidemiologische Daten: E1
Besondere Risikogruppen
– Patienten mit vorbestehender Nierenerkrankung
– Langzeitexposition durch traditionelle Präparate
– Unkontrollierte Mischpräparate
– Multimorbide Patienten
K&T 010
Goldrute
(Solidago virgaurea)
Primäre Interaktionsachse
Diuretische Wirkung.
Sekundäre Interaktionsachse
Antiinflammatorische und spasmolytische Effekte im Harntrakt; potenziell additive Wirkung mit Diuretika.
Mechanismus
Flavonoide und Saponine steigern die Harnmenge durch milde Erhöhung der glomerulären Filtration und renalen Durchblutung.
Zusätzlich antiinflammatorische Effekte im Bereich der ableitenden Harnwege beschrieben.
Keine direkte nephrotoxische Wirkung bei üblicher Dosierung.
Klinische Relevanz
– Additive Diurese bei gleichzeitiger Diuretikatherapie möglich.
– Vorsicht bei eingeschränkter Nierenfunktion.
– Nicht geeignet bei Ödemen infolge schwerer Herz- oder Niereninsuffizienz ohne ärztliche Kontrolle.
– Keine konsistente Evidenz für relevante Elektrolytstörungen.
Evidenzklassifizierung
Diuretische Wirkung: E2
Antiinflammatorische Effekte im Harntrakt: E2
Klinische Interaktionsdaten: E3
Besondere Risikogruppen
– Niereninsuffizienz
– Diuretikatherapie
– Herzinsuffizienz
– Hypotonie
– Multimorbide ältere Patienten
K&R 011
Phyllanthus niruri L.
(Familie: Phyllanthaceae)
Primäre Interaktionsachse
Q6 – Renale Achse: Einfluss auf Kristallaggregation (Calciumoxalat) und mögliche Modulation der Harnwegsdynamik.
Sekundäre Interaktionsachse
Q2 – CYP-System (in-vitro Hinweise auf Enzymmodulation).
Q4 – Immunsystem (präklinische antivirale/immunmodulatorische Effekte).
Mechanismus
Lignane (z. B. Phyllanthin) und Polyphenole zeigen in experimentellen Modellen eine Hemmung der Kristalladhäsion und -aggregation.
Spasmolytische Effekte auf glatte Muskulatur der Harnwege beschrieben.
CYP-Modulation bisher überwiegend in-vitro nachgewiesen.
Klinische Relevanz
– Kleine, methodisch heterogene Studien bei Nephrolithiasis.
– Keine gesicherte litholytische Wirkung beim Menschen.
– Unklare Interaktionsrelevanz bei komplexer Dauermedikation.
– Vorsicht bei Niereninsuffizienz mangels belastbarer Sicherheitsdaten.
Evidenzlage
Überwiegend präklinische Daten; begrenzte Humanstudien mit kleiner Fallzahl.
Standardisierung der Extrakte uneinheitlich.