Protokollübersicht: KR-010

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Urtica dioica

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Urticaceae

 

Verwendete Pflanzenteile:

– Blatt (Urticae folium)

– Kraut (Urticae herba)

– Wurzel (Urticae radix)

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

Blatt/Kraut:

– Flavonoide

– Caffeoyl-Derivate

– Mineralstoffe

– Ameisensäure, Histamin (in Brennhaaren)

Wurzel:

– Lignane

– Phytosterole (β-Sitosterol)

– Polysaccharide

 

 

Q1 – Gerinnung

Keine konsistente klinisch relevante gerinnungshemmende Wirkung belegt.

Keine gesicherte Interaktion mit Antikoagulanzien dokumentiert.

 

 

Q2 – CYP-System

Keine robust belegte klinische CYP-Interaktionsachse.

In-vitro-Hinweise ohne gesicherte Humanrelevanz.

 

 

Q3 – CNS

Keine primäre zentrale Wirkachse.

Keine belastbare Evidenz für sedierende oder stimulierende Effekte.

 

 

Q4 – Immunsystem

Präklinisch antiinflammatorische Effekte beschrieben.

Keine gesicherte systemische Immuntherapie.

Topische Anwendungen bei rheumatischen Beschwerden untersucht.

 

 

Q5 – Kardio

Leicht blutdrucksenkende Effekte beschrieben (diuretisch vermittelt).

Keine etablierte kardiovaskuläre Therapie.

 

 

Q6 – Renal (Blatt/Kraut relevant)

Wirkmechanismus:

Milde diuretische Wirkung.

Risiken:

– Elektrolytveränderungen theoretisch möglich

– Vorsicht bei eingeschränkter Nierenfunktion

Nicht geeignet bei Ödemen infolge Herz- oder Niereninsuffizienz ohne ärztliche Abklärung.

 

 

Q7 – Gastro

In der Regel gut verträglich.

Selten:

– Magenbeschwerden

– Übelkeit

 

 

Q8 – Endokrin (Wurzel relevant)

Untersuchungen bei benignem Prostatasyndrom (BPS).

Mechanismen: Hemmung bestimmter Androgen-Bindungsprozesse.

Keine hormonelle Therapie im engeren Sinne, sondern symptomorientierte Anwendung.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Traditionell bei „Blutreinigung“ verwendet – hierfür keine klinische Evidenz.

Keine konsistente hämatologische Toxizität belegt.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Kontaktreaktionen durch Brennhaare möglich (Urtikation).

Topisch bei rheumatischen Beschwerden historisch angewendet.

Pharmakokinetische Hinweise

Diuretische Effekte dosisabhängig.

Wurzelextrakte standardisiert besser untersucht als Rohzubereitungen.

 

Risikogruppen

– Niereninsuffizienz

– Herzinsuffizienz mit Ödemen

– Patienten unter Diuretika

– Schwangerschaft (unzureichende Sicherheitsdaten bei systemischer Anwendung)

 

Methodische Einordnung

Blätter/Kraut vorwiegend bei leichten Harnwegsbeschwerden untersucht.

Wurzel bei benignem Prostatasyndrom mit moderater Evidenz.

Studien heterogen hinsichtlich Extraktstandardisierung.

 

Quellen

EMA Herbal Monograph: Urtica dioica L., folium / radix.

ESCOP Monographs.

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.

Chrubasik JE et al. Nettle root in benign prostatic hyperplasia.

Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. 010

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/brennessel

Abrufdatum: 23.02.2026

 

Die Angabe der Versionsnummer und des Abrufdatums ist verpflichtend.