Protokollübersicht: KR-102
Erstellt: 2026.03.14
Version 1.0
Angelica archangelica
Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)
Botanische Identität
Familie: Apiaceae
Verwendete Pflanzenteile
– Wurzel (Angelicae radix)
– Samen
– Seltener Kraut
Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe
– Furocumarine (Bergapten, Xanthotoxin, Imperatorin)
– Cumarine
– Ätherisches Öl (α-Pinen, β-Phellandren, Limonen)
– Bitterstoffe
Q Matrix
Q1 – Gerinnung
Cumarine sind strukturell mit antikoagulativen Substanzen verwandt.
Für Angelica archangelica ist jedoch keine konsistente klinische Gerinnungshemmung nachgewiesen.
Einordnung
Keine primäre Gerinnungsachse.
Q2 – CYP-System
Für relevante Modulation zentraler CYP-Isoenzyme liegen keine belastbaren Humanstudien vor.
Q3 – CNS
Keine primäre neuroaktive Wirkachse beschrieben.
Q4 – Immunsystem
Keine konsistent belegten immunmodulatorischen Effekte.
Q5 – Kardio
Keine robuste Evidenz für direkte kardiovaskuläre Wirkungen.
Q6 – Renal
Keine gesicherte nephrotoxische Wirkung beschrieben.
Q7 – Gastro
Bitterstoffe und ätherisches Öl können eine sekretionssteigernde Wirkung im Gastrointestinaltrakt auslösen.
Berichtet
– Magenreizungen
– Dyspeptische Beschwerden
– Übelkeit bei höherer Aufnahme.
Q8 – Endokrin / Reproduktion
Historische Anwendungen beschreiben emenagoge Effekte.
Experimentelle Hinweise auf leichte Stimulation glatter Muskulatur vorhanden.
Einordnung
Vorsicht in der Schwangerschaft mangels Sicherheitsdaten.
Q9 – Hämatologisch
Keine konsistenten hämatologischen Effekte beschrieben.
Q10 – Dermatologisch
Kontakt mit Pflanzensaft kann Hautreaktionen verursachen.
Berichtet
– irritative Dermatitis
– allergische Hautreaktionen.
Q11 – Hepatisch
Keine konsistente hepatotoxische Achse beschrieben.
Q12 – Metabolisch
Keine spezifische metabolische Interaktionsachse dokumentiert.
Q13 – Phototoxische Achse (relevant)
Die Pflanze enthält Furocumarine, insbesondere:
– Bergapten
– Xanthotoxin
– Imperatorin.
Mechanismus
– Interkalation in DNA
– Aktivierung durch UV-A-Strahlung
– Bildung photochemischer DNA-Addukte.
Klinische Folge
Phytophotodermatitis
Symptome
– Erythem
– Blasenbildung
– Hyperpigmentierung.
Diese phototoxische Reaktion ist für mehrere Apiaceae-Arten gut dokumentiert.
Q14 – Neurotoxische Ionenkanal-Mechanismen
Keine spezifische Ionenkanaltoxizität beschrieben.
Q15 – Zytotoxische Effekte
Furocumarine können nach photochemischer Aktivierung:
– epidermale Zellschäden
– entzündliche Hautreaktionen
– Pigmentveränderungen
verursachen.
Pharmakokinetische Hinweise
Systematische Humanstudien sind begrenzt.
Phototoxische Reaktionen entstehen überwiegend durch Hautkontakt mit Pflanzensaft und UV-Exposition, weniger durch systemische Aufnahme.
Risikogruppen
– Personen mit intensiver UV-Exposition
– Personen mit empfindlicher Haut
– Kinder
– Schwangerschaft (unzureichende Sicherheitsdaten)
Methodische Einordnung
Die phototoxische Wirkung von Furocumarinen ist pharmakologisch gut etabliert.
Die meisten klinischen Berichte betreffen Phytophotodermatitis nach Kontakt mit frischen Pflanzen der Apiaceae.
Quellen
EMA Herbal Monographs – Angelica archangelica
ESCOP Monographs
WHO Monographs on Selected Medicinal Plants
Pathak MA – Phototoxicity of furocoumarins
Duke JA – Handbook of Medicinal Herbs
Zitierempfehlung
Kräuter und Risiken. 102
Version 1.0 Stand: März 2026
Verfügbar unter
https://www.kraeuterundrisiken.com/Angelica-archangelica�
Abrufdatum: 2026.03.14
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