Protokollübersicht: KR-084

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Myristica fragrans

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Myristicaceae

 

Verwendete Pflanzenteile:

– Samen (Muskatnuss)

– Samenmantel (Macis)

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Myristicin

– Safrol

– Elemicin

– Eugenol

– ätherisches Öl

– Monoterpene

Myristicin ist toxikologisch leitend.

 

 

Q-Matrix

Q1 – Gerinnung

Keine primäre gerinnungsbezogene Wirkachse beschrieben.

 

 

Q2 – CYP-System

Myristicin und verwandte Phenylpropanoide werden hepatisch metabolisiert.

Ein Einfluss auf mikrosomale Enzymsysteme wird diskutiert, die klinische Relevanz ist jedoch begrenzt.

 

 

Q3 – CNS (Primärachse)

Myristicin besitzt psychoaktive und neurotoxische Eigenschaften.

Bei höheren Dosen beschrieben:

– Halluzinationen

– Desorientierung

– Unruhe

– Delir

– Krampfanfälle

Intoxikationen durch hohe Muskatnussmengen sind klinisch dokumentiert.

 

 

Q4 – Immunsystem

Keine primäre immunologische Zielstruktur beschrieben.

 

 

Q5 – Kardio

Bei Intoxikationen möglich:

– Tachykardie

– Blutdruckanstieg

– Herzrhythmusstörungen

Diese treten meist sekundär im Rahmen zentralnervöser Toxizität auf.

 

 

Q6 – Renal

Keine primäre renale Wirkachse beschrieben.

 

 

Q7 – Gastro

Akute Intoxikationen können verursachen:

– Übelkeit

– Erbrechen

– Bauchschmerzen

 

 

Q8 – Endokrin

Keine primäre endokrine Wirkachse beschrieben.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine primäre hämatologische Zielstruktur dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Kontaktreaktionen selten beschrieben.

 

 

Q11 – Hepatisch

Safrol und verwandte Phenylpropanoide können hepatotoxische Effekte verursachen.

Langfristige Exposition mit safrolhaltigen Substanzen wird toxikologisch diskutiert.

 

 

Q12 – Genotoxizität

Safrol besitzt genotoxisches und karzinogenes Potential in experimentellen Studien.

Aus diesem Grund wurde Safrol in Lebensmitteln regulatorisch eingeschränkt.

 

 

Q13 – Reproduktion

Für hohe Dosen bestehen Hinweise auf reproduktionstoxische Effekte in Tierstudien.

Systemische Intoxikationen können Schwangerschaftskomplikationen begünstigen.

Pharmakokinetische Hinweise

Myristicin wird hepatisch metabolisiert und kann neuroaktive Metaboliten bilden.

Die Intoxikation zeigt häufig eine verzögerte Symptomatik, die mehrere Stunden nach Einnahme auftreten kann.

 

Risikogruppen

– Kinder

– Schwangerschaft

– Personen mit psychiatrischen Erkrankungen

– Einnahme sehr hoher Mengen

– Kombination mit zentral wirksamen Medikamenten

 

Methodische Einordnung

Muskatnuss ist primär ein kulinarisches Gewürz, zeigt jedoch bei hohen Dosierungen ein klar dokumentiertes toxikologisches Profil.

Die wissenschaftliche Bedeutung liegt insbesondere in dokumentierten neurotoxischen Intoxikationen durch Myristicin.

 

Quellen

EMA Herbal Monographs

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants

European Food Safety Authority (EFSA) – Myristicin and Safrole

IARC Monographs – Safrole

Toxicological Reviews on Nutmeg Intoxication

 

Zitierempfehlung

Kräuter und Risiken. K&R 084

Version 3.0 – Stand: März 2026

Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/muskatnuss⁠�

Abrufdatum: 14.03.2026

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