Protokollübersicht: KR-083

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Mentha pulegium

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Lamiaceae

 

Verwendete Pflanzenteile

– oberirdische Pflanzenteile

– ätherisches Öl

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Pulegon

– Menthon

– Isomenthon

– Piperiton

– ätherisches Öl

– Flavonoide

Pulegon ist toxikologisch leitend.

 

 

Q-Matrix

Q1 – Gerinnung

Keine primäre gerinnungsbezogene Wirkachse beschrieben.

 

 

Q2 – CYP-System

Pulegon wird über hepatische Enzymsysteme metabolisiert.

Dabei entstehen reaktive Metaboliten, insbesondere Menthofuran, die mit toxischen Effekten assoziiert sind.

 

 

Q3 – CNS

Hohe Dosen des ätherischen Öls können neurotoxische Symptome verursachen.

Beschrieben wurden:

– Schwindel

– neurologische Reizung

– Krampfanfälle bei massiver Exposition

 

 

Q4 – Immunsystem

Keine primäre immunologische Zielstruktur beschrieben.

 

 

Q5 – Kardio

Bei schweren Vergiftungen wurden kardiovaskuläre Instabilitäten beschrieben, meist sekundär zu systemischer Toxizität.

 

 

Q6 – Renal

Nierenbeteiligung kann bei schweren Intoxikationen sekundär auftreten.

 

 

Q7 – Gastro

Reizwirkungen möglich:

– Übelkeit

– Erbrechen

– abdominale Schmerzen

Diese Symptome treten häufig im Rahmen einer akuten Intoxikation auf.

 

 

Q8 – Endokrin

Keine primäre endokrine Wirkachse beschrieben.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine primäre hämatologische Zielstruktur dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Kontaktreaktionen durch ätherisches Öl möglich.

 

 

Q11 – Hepatisch (Primärachse)

Pulegon gehört zu den hepatotoxischen Monoterpenen.

Metabolismus führt zur Bildung reaktiver Metaboliten (z. B. Menthofuran), die:

– oxidative Leberschäden

– zelluläre Nekrosen

– akute Leberinsuffizienz

verursachen können.

Schwere Vergiftungen sind in der Literatur dokumentiert.

 

 

Q12 – Genotoxizität

Für Pulegon und einige Metaboliten bestehen Hinweise auf potenziell genotoxische Effekte in experimentellen Studien.

 

 

Q13 – Reproduktion

Historisch wurde Poleiminze als Abortivum verwendet.

Mechanistisch werden diskutiert:

– uterotone Effekte

– direkte embryotoxische Wirkungen

– systemische Toxizität der Metaboliten

Schwere Vergiftungen nach Einnahme ätherischen Öls im Zusammenhang mit abortiven Anwendungen sind dokumentiert.

Eine Anwendung während

– Schwangerschaft

– Stillzeit

gilt daher als kontraindiziert.

 

Pharmakokinetische Hinweise

Pulegon wird hepatisch metabolisiert und zu reaktiven Zwischenprodukten umgewandelt.

Diese können:

– oxidative Zellschäden

– mitochondriale Dysfunktion

– hepatische Nekrosen

auslösen.

 

Risikogruppen

– Schwangerschaft

– Kinder

– Personen mit Lebererkrankungen

– Einnahme ätherischer Öle in hoher Dosis

– traditionelle abortive Anwendungen

 

Methodische Einordnung

Poleiminze gehört zu den toxikologisch relevanten ätherisch-ölhaltigen Pflanzen.

Die klinische Bedeutung liegt in dokumentierten Fällen schwerer Lebertoxizität und reproduktionstoxischer Risiken nach Einnahme von Poleiminzöl.

 

Quellen

EMA Herbal Safety Statements

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants

EFSA Scientific Opinion on Pulegone

Anderson IB et al. – Pennyroyal toxicity

European Pharmacopoeia

 

Zitierempfehlung

Kräuter und Risiken. K&R 083

Version 3.0 – Stand: März 2026

Verfügbar unter

https://www.kraeuterundrisiken.com/poleiminze⁠�

Abrufdatum: 14.03.2026

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