Protokollübersicht: KR-085
Erstellt: 2026.03.11
Version 1.0
Tanacetum vulgare
Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)
Familie: Asteraceae
Verwendete Pflanzenteile:
– oberirdische Pflanzenteile
– Blütenstände
Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe
– Thujon (α-Thujon, β-Thujon)
– Campher
– 1,8-Cineol
– Flavonoide
– Bitterstoffe (Sesquiterpenlactone)
– ätherisches Öl
Thujon ist toxikologisch leitend.
Q-Matrix
Q1 – Gerinnung
Keine primäre gerinnungsbezogene Wirkachse beschrieben.
Q2 – CYP-System
Monoterpene werden überwiegend hepatisch metabolisiert.
Klinisch relevante Enzyminteraktionen sind bisher nicht konsistent belegt.
Q3 – CNS (Primärachse)
Thujon wirkt neurotoxisch.
Mechanismus:
Antagonismus am GABA-A-Rezeptor.
Beschriebene Symptome:
– Unruhe
– Schwindel
– Krampfanfälle
– Delir
Vergiftungen durch thujonhaltige Pflanzen sind dokumentiert.
Q4 – Immunsystem
Keine primäre immunologische Wirkachse beschrieben.
Q5 – Kardio
Bei Intoxikationen möglich:
– Tachykardie
– Blutdruckanstieg
Diese treten meist sekundär im Rahmen zentralnervöser Toxizität auf.
Q6 – Renal
Keine primäre renale Zielstruktur beschrieben.
Q7 – Gastro
Reizwirkungen möglich:
– Übelkeit
– Erbrechen
– Bauchschmerzen
Q8 – Endokrin
Keine primäre endokrine Wirkachse beschrieben.
Q9 – Hämatologisch
Keine primäre hämatologische Zielstruktur
dokumentiert.
Q10 – Dermatologisch
Kontaktreaktionen durch Sesquiterpenlactone möglich.
Kontaktdermatitiden sind bei Korbblütlern beschrieben.
Q11 – Hepatisch
Hepatische Beteiligung kann bei schweren Intoxikationen sekundär auftreten.
Die primäre Toxizität betrifft jedoch das zentrale Nervensystem.
Q12 – Genotoxizität
Für einzelne Inhaltsstoffe bestehen experimentelle Hinweise auf mögliche genotoxische Effekte, klinische Relevanz bleibt begrenzt.
Q13 – Reproduktion
Historisch wurde Rainfarn in traditionellen Anwendungen als Emmenagogum verwendet.
Hohe Dosen können:
– uterine Kontraktionen
– reproduktionstoxische Effekte
verursachen.
Die Anwendung während der Schwangerschaft gilt als kontraindiziert.
Pharmakokinetische Hinweise
Thujon wird hepatisch metabolisiert und wirkt dosisabhängig neurotoxisch.
Die toxischen Effekte treten typischerweise nach Aufnahme größerer Mengen ätherischen Öls auf.
Risikogruppen
– Schwangerschaft
– Kinder
– Personen mit neurologischen Erkrankungen
– Einnahme hoher Mengen ätherischen Öls
– Polypharmazie mit zentral wirksamen Medikamenten
Methodische Einordnung
Rainfarn gehört zu den thujonhaltigen Arzneipflanzen mit dokumentierter neurotoxischer Wirkung bei höheren Dosierungen.
Die wissenschaftliche Bedeutung liegt vor allem in der Analyse zentralnervöser Effekte von Thujon-haltigen Pflanzenstoffen.
Quellen
EMA Herbal Monographs
WHO Monographs on Selected Medicinal Plants
EFSA Scientific Opinion on Thujone
European Pharmacopoeia
Toxicological Reviews on Thujone
Zitierempfehlung
Kräuter und Risiken. K&R 085
Stand: 2026.03.14
Version 1.0
Verfügbar unter:
https://www.kraeuterundrisiken.com/rainfarn�
Abrufdatum: 14.03.2026
Die Angabe der Versionsnummer und des Abrufdatums ist verpflichtend.
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