Protokollübersicht: KR-082

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Artemisia absinthium

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Asteraceae

 

Verwendete Pflanzenteile

– oberirdische Pflanzenteile (Herba Absinthii)

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Thujon (α-Thujon, β-Thujon)

– Absinthin

– Anabsinthin

– Sesquiterpenlactone

– ätherisches Öl

– Flavonoide

Thujon ist toxikologisch leitend.

 

 

Q-Matrix

Q1 – Gerinnung

Keine primäre gerinnungsbezogene Wirkachse beschrieben.

 

 

Q2 – CYP-System

Bestandteile des ätherischen Öls werden über hepatische Enzymsysteme metabolisiert.

Klinisch relevante CYP-Interaktionen sind bisher nur begrenzt dokumentiert.

 

 

Q3 – CNS (Primärachse)

Thujon wirkt als Antagonist am GABA-A-Rezeptor.

Mögliche Effekte:

– neuronale Übererregbarkeit

– Tremor

– Krampfanfälle bei hoher Exposition

Historisch wurden neurologische Symptome im Zusammenhang mit Absinthkonsum beschrieben.

 

 

Q4 – Immunsystem

Einzelne Inhaltsstoffe zeigen antiinflammatorische Effekte.

Keine primäre immunologische Therapiestruktur.

 

 

Q5 – Kardio

Keine spezifische kardiale Wirkachse beschrieben.

 

 

Q6 – Renal

Keine primäre renale Zielstruktur dokumentiert.

 

 

Q7 – Gastro (Primärachse)

Bitterstoffe stimulieren:

– Magensaftsekretion

– Verdauungsprozesse

– Appetit

Traditionell eingesetzt bei:

– dyspeptischen Beschwerden

– Appetitmangel

Bei Überdosierung möglich:

– gastrointestinale Reizung

– Übelkeit

 

 

Q8 – Endokrin

Keine primäre endokrine Wirkachse beschrieben.

 

 

Q9 – Hämatologisch

Keine spezifische hämatologische Toxizität dokumentiert.

 

 

Q10 – Dermatologisch

Kontaktallergische Reaktionen möglich, insbesondere bei Sensibilisierung gegenüber Sesquiterpenlactonen der Asteraceae.

 

 

Q11 – Hepatisch

Hohe Konzentrationen ätherischer Öle können hepatische Belastungen verursachen.

Schwere hepatotoxische Effekte stehen jedoch nicht im Vordergrund der toxikologischen Bewertung.

 

 

Q12 – Genotoxizität

Keine klare genotoxische Primärachse beschrieben.

 

 

Q13 – Reproduktion

Thujon besitzt uterotone Eigenschaften.

Historische pharmakologische Berichte beschreiben eine stimulierende Wirkung auf die glatte Muskulatur des Uterus.

Mögliche Risiken:

– uterine Kontraktionen

– Beeinflussung des Schwangerschaftsverlaufs

Aufgrund dieser Eigenschaften wird eine Anwendung während

– Schwangerschaft

– Stillzeit

als kontraindiziert betrachtet.

Pharmakokinetische Hinweise

Thujon wird nach oraler Aufnahme rasch metabolisiert und über hepatische Enzymsysteme abgebaut.

Die neurotoxischen Effekte stehen mit einer Blockade inhibitorischer GABA-Signalwege in Zusammenhang.

 

Risikogruppen

– Personen mit Epilepsie

– Schwangerschaft

– hochdosierte Einnahme ätherischer Öle

– chronischer Alkoholkonsum (Absinth)

 

Methodische Einordnung

Wermut gehört zu den klassischen Bitterstoffpflanzen Europas.

Die toxikologische Relevanz ergibt sich primär aus dem Monoterpen Thujon, das neurotoxische Effekte auslösen kann.

 

Quellen

EMA Herbal Monograph – Artemisia absinthium

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants

European Pharmacopoeia – Absinthii herba

EFSA Scientific Opinion on Thujone

Lachenmeier DW – Absinthe and Thujone Toxicology

 

Zitierempfehlung

Kräuter und Risiken. K&R 082

Version 3.0 – Stand: März 2026

Verfügbar unter

https://www.kraeuterundrisiken.com/wermut⁠�

Abrufdatum: 14.03.2026

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