Protokollübersicht: KR-071
Erstellt: 2026.03.11
Version 1.0
Glycine max
Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)
Familie: Fabaceae
Verwendete Pflanzenteile: Samen (Sojae semen), Isoflavon-Extrakte
Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe
– Isoflavone (Genistein, Daidzein, Glycitein)
– Proteine
– Saponine
– Phytinsäure
Isoflavone sind arzneistoffbezogen leitend.
Q1 – Gerinnung
Keine konsistent belegte primäre gerinnungshemmende Wirkung.
Einfluss auf Thrombozytenfunktion nicht klinisch relevant gesichert.
Q2 – CYP-System
Isoflavone können CYP-Enzyme modulieren (präklinisch).
Klinische Relevanz begrenzt, jedoch Interaktionen bei Polypharmazie möglich.
Q3 – CNS
Keine primäre zentrale Wirkachse.
Untersuchungen zu kognitiven Effekten heterogen.
Q4 – Immunsystem
Keine primäre immuntherapeutische Indikation.
Q5 – Kardio
Untersuchungen zu Lipidprofilen und Gefäßfunktion vorhanden.
Moderate Effekte auf LDL-Cholesterin in bestimmten Populationen.
Keine alleinige kardiovaskuläre Therapie.
Q6 – Renal
Keine primäre nephrotoxische Achse dokumentiert.
Proteinreiche Ernährung bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz kritisch zu bewerten.
Q7 – Gastro
Blähungen und gastrointestinale Beschwerden möglich.
Fermentationsprozesse im Darm relevant.
Q8 – Endokrin (Primärachse)
Isoflavone wirken phytoöstrogen über Estrogenrezeptoren (v. a. ER-β).
Indikationen:
– Wechseljahresbeschwerden
Studienlage:
– Heterogen
– Moderate Evidenz bei Hitzewallungen
Risiken:
– Hormonabhängige Karzinome
– Einfluss auf Schilddrüsenhormone möglich (v. a. bei Jodmangel)
– Interaktion mit Schilddrüsenmedikation möglich
Q9 – Hämatologisch
Keine primäre hämatologische Toxizität dokumentiert.
Q10 – Dermatologisch
Keine primäre dermatologische Achse.
Pharmakokinetische Hinweise
Isoflavone werden intestinal metabolisiert; Darmmikrobiom entscheidend.
Nicht gleichzusetzen: Sojaprodukt als Lebensmittel ≠ standardisierter Isoflavon-Extrakt.
Risikogruppen
– Hormonabhängige Tumorerkrankungen
– Schilddrüsenerkrankungen
– Einnahme von Levothyroxin
– Schwangerschaft und Stillzeit (hochdosierte Extrakte vermeiden)
Methodische Einordnung
Soja ist primär ein Lebensmittel mit pharmakologisch relevanten Isoflavonen.
Evidenz moderat bei klimakterischen Beschwerden.
Endokrine Sicherheitsachse entscheidend bei Risikopatientinnen.
Quellen
EMA Assessment Report: Glycine max (L.) Merr., semen.
ESCOP Monographs.
WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.
Taku K et al. Soy isoflavones and menopausal symptoms – meta-analysis.
Zitierempfehlung
Kräuter und Risiken. 071
Version 3.0 Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:
https://www.kraeuterundrisiken.com/soja
Abrufdatum: 23.02.2026
Die Angabe der Versionsnummer und des Abrufdatums ist verpflichtend.