Protokollübersicht: KR-078

Erstellt: 2026.03.11

Version 1.0

 

Salix alba

 

Weidenrinde (Salicis cortex)

 

Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)

 

Familie: Salicaceae

 

Verwendete Pflanzenteile: Rinde junger Zweige

 

Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe

– Salicin (Leitsubstanz)

– Salicylalkohol-Derivate

– Flavonoide

– Gerbstoffe

Salicin wird im Körper zu Salicylsäure metabolisiert.

 

 

Q1 – Gerinnung (Sicherheitsrelevant)

Salicylate hemmen die Thrombozytenaggregation (reversibel).

Risiko:

– Verstärkte Blutungsneigung

– Kombination mit Antikoagulanzien

– Kombination mit Thrombozytenaggregationshemmern

– NSAID

Klinisch relevante Interaktionsachse.

 

 

Q2 – CYP-System

Keine ausgeprägte CYP-Modulation.

Interaktionen primär pharmakodynamisch (Gerinnung).

 

 

Q3 – CNS

Analgetische und antipyretische Effekte peripher vermittelt.

Keine sedierende Achse.

 

 

Q4 – Immunsystem

Antiinflammatorische Wirkung über COX-Hemmung (indirekt über Salicylsäure).

Keine Immunstimulation.

 

 

Q5 – Kardio

Sekundäre Relevanz über Gerinnungshemmung.

 

 

Q6 – Renal

Wie andere Salicylate potenziell nierentoxisch bei Hochdosis oder Langzeitanwendung.

Vorsicht bei Niereninsuffizienz.

 

 

Q7 – Gastro (Sicherheitsachse)

Risiken:

– Magenreizungen

– Ulkusrisiko

– Dyspepsie

Kontraindiziert bei aktiver Ulkuserkrankung.

 

 

Q8 – Endokrin

Keine hormonelle Wirkachse

 

 

Q9 – Hämatologisch

Relevanz über Thrombozytenhemmung (Q1-Achse).

 

 

Q10 – Dermatologisch

Keine primäre dermatologische Achse.

Primärachse – Analgetisch / Antiphlogistisch

Indikationen:

– Rückenschmerzen

– Arthrose

– Fieberhafte Zustände

Studienlage:

Moderate Evidenz bei chronischen Rückenschmerzen.

Pharmakokinetische Hinweise

Salicin ist Prodrug.

Wirkungseintritt langsamer als synthetische Salicylate.

Nicht gleichzusetzen: Weidenrinde ≠ Acetylsalicylsäure, aber ähnliche Wirkprinzipien.

 

Risikogruppen

– Antikoagulation

– Ulkuskrankheit

– Asthma (Salicylat-Intoleranz)

– Niereninsuffizienz

– Kinder und Jugendliche mit viralen Infekten (Reye-Syndrom-Risiko analog diskutiert)

– Schwangerschaft (insbesondere 3. Trimenon)

 

Methodische Einordnung

Weidenrinde ist ein phytogener Salicylatlieferant mit moderater Evidenz bei muskuloskelettalen Schmerzen.

Gerinnungs- und Gastro-Sicherheitsachse klinisch relevant.

Interaktionspotenzial pharmakodynamisch bedeutsam.

 

Quellen

EMA Herbal Monograph: Salix alba L., cortex.

ESCOP Monographs.

WHO Monographs on Selected Medicinal Plants.

Chrubasik S et al. Willow bark extract in low back pain – clinical trials.

I

Zitierempfehlung

 

Kräuter und Risiken. O78

Version 3.0  Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:

https://www.kraeuterundrisiken.com/weidenrinde

Abrufdatum: 23.02.2026

 

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