Protokollübersicht: KR-015
Erstellt: 2026.02.17
Version 1.0
Cannabis sativa
Master-Monographie – Institutstandard (Q-Matrix)
Familie: Cannabaceae
Verwendete Pflanzenteile: Blütenstände (Cannabis flos), Harz
Arzneilich relevante Bestandteile: standardisierte Extrakte, definierte THC-/CBD-Zubereitungen
Relevante arzneistoffbezogene Inhaltsstoffe
– Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC)
– Cannabidiol (CBD)
– Weitere Cannabinoide (CBG, CBC u. a.)
– Terpene
Q1 – Gerinnung
Keine primäre gerinnungshemmende Wirkung belegt.
Einzelfallberichte zu INR-Veränderungen bei Kombination mit Vitamin-K-Antagonisten (v. a. CBD).
Vorsicht bei Antikoagulation.
Q2 – CYP-System (relevante Achse)
CBD hemmt u. a. CYP3A4 und CYP2C19.
THC wird über CYP2C9 und CYP3A4 metabolisiert.
Klinisch relevante Interaktionen möglich mit:
– Antikoagulanzien
– Antiepileptika
– Benzodiazepinen
– Immunsuppressiva
– Antidepressiva
Interaktionspotenzial gut dokumentiert bei hochdosierten CBD-Präparaten.
Q3 – CNS (Primärachse)
THC:
– psychoaktiv
– anxiogen oder anxiolytisch dosisabhängig
– kognitive Beeinträchtigung
– Abhängigkeitspotenzial
CBD:
– antikonvulsiv
– anxiolytisch (uneinheitliche Evidenz)
Risiken:
– Psychoserisiko bei prädisponierten Personen
– Sedierung
– Reaktionsverlangsamung
– Abhängigkeit (v. a. THC)
Q4 – Immunsystem
Cannabinoide wirken immunmodulatorisch.
Klinische Relevanz bei entzündlichen Erkrankungen teilweise untersucht, jedoch nicht standardisierte Indikationen.
Q5 – Kardio
THC:
– Tachykardie
– Blutdruckschwankungen
Vorsicht bei kardiovaskulären Vorerkrankungen.
Q6 – Renal
Keine primäre nephrotoxische Achse.
Datenlage bei chronischer Anwendung begrenzt.
Q7 – Gastro
Indikation bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit (standardisierte Arzneiformen).
Appetitsteigerung beschrieben.
Nebenwirkungen:
– Mundtrockenheit
– Übelkeit
– selten Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom bei chronischem Konsum.
Q8 – Endokrin
Einfluss auf Hypothalamus-Hypophysen-Achse beschrieben.
Testosteronveränderungen möglich bei chronischem THC-Konsum.
Klinische Relevanz uneinheitlich.
Q9 – Hämatologisch
Keine konsistente hämatologische Toxizität.
Interaktionsrisiko über CYP-Achse indirekt möglich.
Q10 – Dermatologisch
Topische Anwendungen experimentell untersucht.
Keine gesicherte dermatologische Standardindikation.
Pharmakokinetische Hinweise
THC lipophil, Speicherung im Fettgewebe.
CBD mit dosisabhängiger Enzymhemmung.
Inhalative vs. orale Applikation mit stark unterschiedlicher Bioverfügbarkeit.
Risikogruppen
– Psychotische Erkrankungen
– Jugendliche (neuroentwicklungsrelevant)
– Kardiovaskuläre Vorerkrankungen
– Polypharmazie mit CYP-Substraten
– Schwangerschaft und Stillzeit
Methodische Einordnung
Klare Differenzierung zwischen:
– Standardisierten Arzneimitteln (definierte THC-/CBD-Dosen)
– Nicht standardisierten Freizeitprodukten
Interaktions- und Nebenwirkungsprofil dosisabhängig und substanzspezifisch (THC vs. CBD).
Quellen
EMA Assessment Reports zu Cannabidiol-haltigen Arzneimitteln.
WHO Critical Review Report: Cannabidiol (CBD).
Volkow ND et al. Adverse health effects of marijuana use.
Devinsky O et al. Trial of cannabidiol for drug-resistant epilepsy.
Zitierempfehlung
Kräuter und Risiken. 015
Version 3.0 Stand: Feb.2026 Verfügbar unter:
https://www.kraeuterundrisiken.com/cannabis
Abrufdatum: 23.02.2026
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